Gefangen im Schubladendenken

Gefangen im Schubladendenken

Von wegen unser Denken ist frei: Wie unbewusst vermittelte Wertvorstellungen die Chancengleichheit beeinflussen.

Die Gleichberechtigung kommt langsam

Familie und Karriere – wie geht das?

Advance ist ein Netzwerk von über 110 Schweizer Firmen, die Diversität als wichtigen Wettbewerbsfaktor erachten. In der Kampagne «How I got here» berichten bekannte Schweizerinnen von Vorurteilen, denen sie im Lauf ihrer Karriere begegnet sind. Gudrun Sander erzählt: «Bei meiner ersten Statistik-Klausur an der Uni schnitt ich als Beste ab. Als der Professor uns die Klausuren zurückgab, rief er mich auf als «Herr Sander». 

Offensichtlich glaubte er, dass eine so gute Leistung nur von einem Mann erbracht werden konnte. Als ich aufstand, war er irritiert – und ich ebenfalls.» Ein anderer Professor erklärte ihr: «Vergessen Sie es – eine Frau kann nicht gleichzeitig Karriere machen und eine Familie haben.» Gudrun Sander bewies das Gegenteil: Die 56-jährige dreifache Mutter ist heute Professorin für Betriebswirtschaft und Direktorin des «Competence Center for Diversity & Inclusion» an der Universität St. Gallen. 

Dass Gudrun Sander und ihr Mann sich Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlich geteilt haben, hat ihre berufliche Laufbahn möglich gemacht. Solange Frauen jedoch das Bedürfnis haben, «nach oben» zu heiraten, beschäftigen sie sich zu wenig mit ihrer eigenen finanziellen Unabhängigkeit. Und je grösser der Einkommensunterschied, desto schwieriger wird es für Frauen, selbstbestimmt ihre Ziele zu verfolgen und bestehende Spielregeln zu ändern.

Erstveröffentlichung im Mamablog am 15. April 2021.

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