Was haben Chefinnen und introvertierte Menschen gemeinsam?

Was haben Chefinnen und introvertierte Menschen gemeinsam?

Sobald eine Personengruppe grösser ist als 30% einer Gesamtgruppe, wird sie nicht mehr als Minderheit wahrgenommen. Dann sind diese Menschen weniger Stereotypen ausgesetzt und beginnen, vermehrt Einfluss zu nehmen. Das haben Studien der Diversitätsforschung ergeben. Wenn zum Beispiel über 30% der Positionen in einer Geschäftsleitung durch Frauen besetzt sind, dann können diese die Spielregeln mitbestimmen und der Aspekt des “Andersseins” tritt in den Hintergrund. Das gilt nicht nur für Frauen; man kann diese Erkenntnis auch auf die unterschiedlichen Temperamente anwenden.

Etwa ein Drittel aller Menschen ist eher in sich gekehrt, das heisst, sie bringen ihre beste Leistung in einer ruhigen, reizarmen Umgebung. Manche introvertierten Menschen erkennen wir rasch, da sie reserviert wirken, mehr Zeit zum Nachdenken brauchen und eher stille Beobachter sind. Andere Menschen würden wir wiederum nicht als introvertiert erkennen, weil sie sich aufgeschlossen und kommunikativ geben. Wir leben in einer Gesellschaft, die sich stark an extrovertiertem Verhalten orientiert. Schliesslich erfordert unser Zusammenleben eine gewisse Offenheit und Kommunikationsfähigkeit. Das bedeutet, dass viele introvertierte Menschen sich ans extrovertierte Ideal angepasst haben und auch entsprechend erzogen wurden.

Ein Unternehmen, das auf Diversität setzt, muss ein Umfeld schaffen, in dem die Stärken jedes einzelnen optimal zum Zuge kommen. Dafür braucht es ein besseres Verständnis über Intro- und Extroversion. Introvertierte Menschen sind keine Minderheit! Es mag uns nur so vorkommen weil viele sich anpassen. Ohne Zusammenarbeit geht nichts, das ist klar – aber sie muss für alle passen. Unsere Gesellschaft übersieht oft diejenigen, die Dinge gern gründlich durchdenken und gut allein und konzentriert arbeiten, bevorzugt ausserhalb eines lauten Grossraumbüros. Wer sich in Meetings oft zu Wort meldet, erweckt bei vielen den Eindruck, dass er es besser weiss. Das kann täuschen. Stille Menschen, die ihr Tun weniger in den Vordergrund rücken und die sich bevorzugt schriftlich ausdrücken, werden oft unterschätzt.

Ruhige Menschen sollten die Spielregeln mitbestimmen und damit aufhören, das extrovertierte Mindset als unverrückbar hinzunehmen. Je authentischer ein Mensch sein darf, desto besser kann er seine individuellen Stärken einsetzen und desto mehr können Unternehmen davon profitieren.

Was gehört zu einer Kultur, in der auch stille Menschen ihr Potenzial optimal einsetzen können?

  • Wissen über die unterschiedlichen Bedürfnisse von extro- und introvertierten Menschen
  • Zielgerichtete und gut vorbereitete, strukturierte Meetings
  • Gleichviel Redezeit bei Meetings für alle Teilnehmenden
  • Aufmerksames Zuhören
  • Teamarbeit dann, wenn die Stärken der einzelnen tatsächlich genutzt werden können
  • Angepasste Büroraum-Konzepte sowie Förderung von Home Office

Was könnte aus Eurer Sicht noch verbessert werden?

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